Rechtsanwältin Monique Kretschmer

Jugendstrafrecht

Die Straftaten jugendlicher Straftäter werden in einem besonderen Verfahren - dem Jugendstrafverfahren - abgeurteilt. Im Jugendstrafverfahren werden die allgemeinen Vorschriften ergänzt durch die Vorschriften des Jugendgerichtsgesetzes (JGG). Das JGG enthält Ausnahmevorschriften von Regelungen des Strafgesetzbuches (StGB) und der Strafprozessordnung (StPO), die für Erwachsene gelten. Sollte im JGG keine Vorschrift zu einem Sachverhalt enthalten sein, so greifen gemäß Â§ 2 JGG die allgemeinen Vorschriften. Es regelt nicht, welche Straftaten als Vergehen und welche als Verbrechen gelten. Dies ist im allgemeinen Strafrecht geregelt. Dies ist insbesondere wichtig für die Frage, ob eine notwendige Verteidigung i.S.v. §§ 68 JGG, 140 Abs. 1 Nr. 2 StPO vorliegt. Ist dies der Fall, hat der Täter einen Anspruch auf Bestellung eines Pflichtverteidigers.

Dies führt zu zahlreichen Besonderheiten und Unterschieden im Vergleich zum "normalen" Strafverfahren des Erwachsenenstrafrechts.

Kinder - also Personen unter 14 Jahren - sind strafunmündig und fallen deshalb nicht unter die Vorschriften des JGG. Sie können nicht bestraft werden. Jugendlicher ist, wer zur Zeit der Tat vierzehn, aber noch nicht achtzehn ist. Heranwachsender ist, wer zur Zeit der Tat achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist, § 1 Abs. 2 JGG.

Das Jugendstrafverfahren zielt nicht darauf ab, den jugendlichen Täter zu bestrafen - im Vordergrund steht der Erziehungsgedanke. Dabei soll Berücksichtigung finden, dass es sich bei den Straftaten jugendlicher Täter oft um verhältnismäßig harmlose und meistens um vorübergehende Entgleisungen handelt - häufig handelt es sich um "typische" Delikte der Jugenddelinquenz, so z. B. Beleidigung, Ladendiebstahl, Sachbeschädigung (Graffiti), Schwarzfahren. Jugendstraftaten sind oft Folge der Orientierungsphase in der Pubertät. Dass es in dieser Phase zu Regelverstößen kommt ist "normal" und der überwiegende Teil der Jugendlichen "fängt sich wieder" nach Eintritt einer gewissen Reife.

Ungeachtet dessen begehen natürlich auch Jugendliche und Heranwachsende schwere Straftaten. Praktisch wichtig sind vor allem Straftaten wie Raub und räuberische Erpressung - hierunter fallen auch die Taten, die von Jugendlichen verharmlosend als "Abziehen" bezeichnet werden.

Auch vor dem Jugendgericht ist eine Verteidigung des Beschuldigten wichtig, oftmals sogar unerlässlich. Sehr viel mehr als im "normalen" Strafverfahren besteht nämlich die Gefahr, dass sich der Jugendliche gegenüber den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft nur unzureichend selbst verteidigen kann. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass das Jugendstrafrecht durchaus ernsthafte Sanktionen bereithält. Jugendstrafverteidiger machen immer wieder die Erfahrung, dass der jugendliche Beschuldigte aus vermeintlich erzieherischen Gründen sehr viel härter bestraft wird, als es in einem vergleichbaren Verfahren bei einem Erwachsenen der Fall wäre.

Aus Anlass einer Straftat eines Jugendlichen können Erziehungsmaßregeln angeordnet werden. Zuchtmittel oder Jugendstrafe kommen dann in Betracht, wenn Erziehungsmaßregeln nicht ausreichen. Jugendstrafe kommt dann in Betracht, wenn Zuchtmittel und Erziehungsmaßregeln nicht ausreichen. Das JGG ist in den "Sanktionen" viel feingliedriger unterteilt.

Deshalb: Schalten Sie, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter in einem Strafverfahren beschuldigt wird, einen Rechtsanwalt ein. Vor allem dann, wenn es sich um schwerwiegende Straftaten handelt oder wenn Ihr Kind nicht das erste Mal straffällig geworden ist, sollten Sie anwaltlichen Rat suchen.  

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